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Demut – der Elefant im Raum

24. Juli
2 Min. Lesezeit
Ruhiger Spaziergang am See im Morgenlicht als Symbol für Innehalten und Demut

Über Dankbarkeit, Ohnmacht und die Frage, was im Leben wirklich zählt


Was bedeutet Demut eigentlich?

Im Duden wird Demut als eine Haltung beschrieben, die aus der Einsicht entsteht, dass bestimmte Gegebenheiten angenommen werden müssen. Der Ursprung des Wortes verweist auf die „Gesinnung eines Dienenden“.

Das klingt zunächst nach Unterordnung oder danach, sich selbst kleinzumachen. Für mich bedeutet Demut jedoch etwas anderes. Sie heißt nicht, alles widerspruchslos hinzunehmen oder die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Sie bedeutet, anzuerkennen, dass wir nicht alles bestimmen können.

Demut ist für mich ein realistischer Blick auf das Leben: das Gute nicht als selbstverständlich zu betrachten, die eigenen Sorgen einzuordnen und zugleich zu akzeptieren, dass manches außerhalb unserer Macht liegt.

Vielleicht lässt sie sich deshalb ganz einfach so erklären:

Demut bedeutet nicht, klein zu sein. Sie bedeutet, zu erkennen, dass wir nicht größer sind als das Leben.


Demut – der Elefant im Raum

Worüber wir uns aufregen

Oft sind es Kleinigkeiten, die uns aus der Ruhe bringen. Ein Termin wird verschoben, ein Plan geht nicht auf, jemand reagiert anders als erwartet oder der Tag läuft schlicht nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben.

Auch ich nehme mich davon nicht aus. Ich werde ungeduldig, hadere und frage mich manchmal, warum das Leben schon wieder den schwarzen Peter verteilt.

Und dann gibt es diese Momente, in denen plötzlich alles andere klein wird.


Wenn wir am Grab stehen

Wer am Grab eines geliebten Menschen steht, kennt diese Ohnmacht. In diesem Augenblick gibt es nichts mehr zu korrigieren, nichts mehr nachzuholen und keinen Satz, der etwas ungeschehen machen könnte.

Plötzlich verlieren viele Dinge ihre Bedeutung. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Zeit endlich ist, Nähe nicht selbstverständlich und ein gewöhnlicher gemeinsamer Tag etwas Kostbares sein kann.

Aber müssen wir wirklich erst einen Menschen verlieren, um zu erkennen, was wir haben?


Was meine Arbeit mich lehrt

Durch meine Arbeit als Trauerrednerin ist mir die Endlichkeit des Lebens sehr präsent. Manchmal verabschiede ich Menschen, deren Leben noch lange nicht hätte zu Ende sein sollen.

Gerade diese Abschiede zeigen mir, wie zerbrechlich unsere Pläne sind und wie wenig selbstverständlich ein weiterer gemeinsamer Tag ist.

Mein Beruf macht mich nicht automatisch gelassener. Aber er hilft mir, schneller zurückzufinden und mich zu fragen, ob das, was mich gerade beschäftigt, morgen noch dieselbe Bedeutung haben wird.


Kleine Gedenksteine im Grünen

Was trotz allem bleibt

Dankbarkeit fällt leicht, solange das Leben nach unseren Vorstellungen verläuft. Schwieriger wird sie, wenn wir enttäuscht, verletzt oder vor Aufgaben gestellt werden, die wir uns nicht ausgesucht haben.

Demut bedeutet für mich nicht, das Schwere schönzureden. Aber vielleicht können wir auch dann noch wahrnehmen, was geblieben ist: ein Mensch an unserer Seite, ein Gespräch, eine helfende Hand, ein kurzer Moment der Ruhe.

Das Schwere nicht zu leugnen und dennoch das Gute nicht zu übersehen – vielleicht ist genau das eine stille Form von Demut.


Und vielleicht schließt sich hier der Kreis. Demut bedeutet nicht, klein zu sein. Sie bedeutet, zu erkennen, dass wir nicht größer sind als das Leben. Denn das Leben wird nicht erst kostbar, wenn wir es verlieren. Es ist jetzt kostbar.

Welche Erfahrung hat Sie daran erinnert, was im Leben wirklich zählt?



 
 
 

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