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Beruf Trauerrednerin – warum mich dieser Weg von Herzen erfüllt

23. Apr.
3 Min. Lesezeit
Sabine Dillitzer, freie Trauerrednerin aus Fürstenfeldbruck, am See – Stille und Natur als Kraftquelle im Beruf als Trauerrednerin

Wenn ich neuen Bekanntschaften oder auch alten Freunden erzähle, dass ich als freie Trauerrednerin arbeite, erlebe ich oft eine sehr ähnliche Reaktion. Ein kurzes Innehalten, manchmal ein überraschter Blick, und dann folgt fast immer die unausweichliche Frage: „Oh, das ist aber bestimmt sehr schwer, oder? Zieht dich das nicht unglaublich runter?“

Viele Menschen verbinden diesen Beruf unweigerlich mit einer ständigen, erdrückenden Schwere, mit Tränen, Dunkelheit und Verzweiflung. Sie fragen sich, wie man freiwillig so nah an den Schmerz anderer herantreten und Abschiedszeremonien begleiten kann. Doch meine Antwort überrascht sie dann meistens genauso sehr wie mein Beruf selbst: Nein, es zieht mich nicht runter. Im Gegenteil – es erfüllt mich zutiefst.


Ein Beruf zwischen Trauer und der Feier des Lebens

Natürlich ist der Tod ein schweres Thema, und der Verlust eines geliebten Menschen reißt tiefe Wunden. Doch als Trauerrednerin stehe ich nicht nur im Schatten des Todes, sondern vor allem im Licht des gelebten Lebens. Meine Aufgabe ist es nicht, den Schmerz noch zu vergrößern, sondern ihm einen Raum zu geben, in dem er da sein darf.

Wenn ich mich mit den Angehörigen zusammensetze, um über den Verstorbenen zu sprechen, tauchen wir gemeinsam in Erinnerungen ein. Wir lachen über kleine Macken, staunen über mutige Entscheidungen und spüren die Liebe, die über den Tod hinaus bleibt. Es ist ein großes Privileg, dass mir Menschen in ihren verletzlichsten Momenten so viel Vertrauen schenken und mir die Lebensgeschichten ihrer Liebsten anvertrauen, damit daraus eine persönliche und würdevolle Trauerrede entstehen kann.

Und doch ist nicht immer alles tröstlich. Manchmal ist ein Abschied kaum zu begreifen, manchmal fühlt er sich ungerecht an, zu früh, zu plötzlich oder einfach zu schwer. Auch das gehört zu dieser Arbeit. Nicht alles lässt sich auffangen oder in etwas Helles verwandeln. Aber auch für diese Gefühle darf es einen Platz geben.


Der wahre Schatz: Tolle Menschen kennenlernen dürfen

In diesen intensiven Gesprächen wird mir immer wieder ein ganz besonderes Geschenk zuteil. Auch wenn diese Menschen nicht mehr unter uns sind, empfinde ich es als wahren Schatz, sie durch die Erzählungen ihrer Familien und Freunde kennenlernen zu dürfen. Ich erfahre von ihren Leidenschaften, ihrem Humor, ihren Ecken und Kanten – von all dem, was sie einzigartig gemacht hat.

Oft fühlt es sich so an, als dürfte ich für einen kurzen Moment Teil ihres Lebens werden. Dass ich diejenige sein darf, die all diese Facetten noch einmal zusammenfasst und ihr „Letztes Fest“ mitgestaltet, ist eine Aufgabe, die mich mit großer Demut erfüllt. Es geht darum, das Leben dieses Menschen noch einmal in all seinen Farben sichtbar werden zu lassen.


Der Beruf Trauerrednerin ist meine Berufung. Was mich antreibt, was ich erlebe – und warum ich jeden Menschen als Geschenk empfinde.

Was wirklich zählt: Liebe, Verbundenheit und Erinnerung

Es ist diese intensive, ehrliche Verbindung zu den Menschen, die den Beruf als Trauerrednerin für mich so besonders macht. In einer Welt, die oft schnelllebig und oberflächlich ist, geht es in meinem Beruf um das, was am Ende wirklich zählt: um Liebe, um Verbundenheit und um das, was wir hinterlassen.

Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Eine Geschichte, die einzigartig ist und die gesehen werden darf – auch und gerade am Ende eines Weges. Wenn ich es schaffe, diese Geschichte in Worte zu fassen, wenn die Angehörigen ihren geliebten Menschen in meiner Rede wiederfinden und vielleicht sogar ein kleines Lächeln durchbricht, dann weiß ich, dass ich genau am richtigen Platz bin.


Beruf Trauerrednerin – Licht in die dunkelsten Stunden bringen

Trauerrednerin zu sein, bedeutet für mich, Trost zu spenden, ohne die Trauer wegzureden. Es bedeutet, Worte zu finden, wo anderen die Worte fehlen. Es ist eine Berufung, die viel Empathie und Fingerspitzengefühl erfordert, die mich fordert und zugleich tief berührt.

Dieser Weg lehrt mich jeden Tag aufs Neue, wie kostbar das Leben ist. Er erinnert mich daran, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu sein und den Menschen, die wir lieben, unsere Zuneigung zu zeigen, solange wir es können. Die Reaktionen der Menschen, wenn ich ihnen von meiner Arbeit erzähle, mögen oft von Respekt und einer gewissen Scheu geprägt sein. Doch für mich ist es kein Beruf der Dunkelheit. Es ist ein Beruf, der mitträgt, aushält und manchmal ein wenig Licht in dunkle Stunden bringt. Und genau deshalb liebe ich, was ich tue.

 
 
 

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